Präventive Labordiagnostik

1. Vitamine und Mikronährstoffe

In jeder unser 80 Billionen Körperzellen laufen ständig mehrere Milliarden biochemische Reaktionen ab. Damit sie reibungslos funktionieren können, braucht der Körper unter anderem Vitamine und Mineralstoffe. Unser Körper ist abhängig von einer Versorgung durch eine ausgewogene Ernährung. Das Fehlen von Vitaminen und Mineralstoffen beeinträchtigt diese biochemischen Prozesse und setzt die Funktion von Körper und Gehirn herab. Nervliche Anspannung und Stress erhöhen zusätzlich den Bedarf an diesen Stoffen.

Wer sie nicht ausreichend zuführt, riskiert auf Dauer einen starken Mangel mit körperlicher und seelischer Beeinträchtigung. Es kann zu Angststörungen, Erschöpfung, Depressionen, chronischen Müdigkeitssyndrom und anderen Erkrankungen kommen.

Wann brauchen wir Nahrungsergänzung / Nahrungsergänzungsmittel?

Unser Lebensmittelangebot ist so vielfältig und reichlich und trotzdem sind viele Menschen nicht ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt. Die konventionelle Landwirtschaft setzt sehr viele Pestizide und Düngemittel ein. Immer mehr Stoffe müssen in unserem Körper entgiftet werden und dies erhöht den Mikronährstoffverbrauch im Körper.

Alle Obst- und Gemüsesorten sind ganzjährig verfügbar. Obst wird unreif geerntet und hat häufig lange Transportwegen und Lagerzeiten hinter sich. Durch lange Lagerung sinkt der Vitaminanteil.

Weitere industrielle Verarbeitung, wie z. B. Sterilisieren, Erhitzen, Pulverisieren oder Zerkleinern, führt zu erheblichen Verlusten. Unser Körper greift bei einer unausgewogenen Ernährungsweise zunächst auf die Speicher zurück, so dass sich ein Mangel oft erst spät bemerkbar macht.  Der Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen kann durch verschiedene Faktoren steigen.

Dazu gehören:

  • Rauchen, Alkohol, Stress,
  • Erkrankungen wie z. B. Morbus Crohn, Zöliakie oder Colitis Ulcerosa
  • psychische und physische Belastungen, Stress
  • Schadstoffe in der Luft, der Nahrung und im Wasser
  • Schwangerschaft und Stillzeit

Wie tritt ein Mikronährstoffmangel auf?

Ein Vitamin- und Mineralstoffmangel tritt nicht plötzlich auf, sondern entwickelt sich oft über Jahre. Bei unzureichender Versorgung werden zuerst die körpereigenen Speicher über Wochen und Monate verbraucht.

Wenn die Speicher leer sind, können wichtige Stoffwechselfunktionen nicht mehr wahrgenommen werden. Dies kann sich durch verschiedene Zeichen äußern.

  • Unverträglichkeiten, Erschöpfung, Depression
  • Energielosigkeit, Schlafstörungen, Antriebsschwäche

 

Allgemeine Zeichen eines Mikronährstoffmangels

Konzentrationsschwäche und Unruhe: Eisen, Magnesium, B-Vitamine, Zink

Allgemeine Müdigkeit: Eisen, Magnesium, Kalium, Kalzium, Vitamin C, B-Vitamine

Kraftlosigkeit:  Eisen, Magnesium, B-Vitamine, Eiweiß

Muskelkrämpfe: Eisen, Calcium, Kalium, Natrium, Magnesium

Schwäche des Immunsystem:  Magnesium, Vitamin B 6, Eisen, Zink, Selen, Vitamin C

Wichtige Mineralstoffe und Spurenelemente sind: Magnesium, Calcium, Kalium, Zink, Kupfer, Eisen, Selen, Jod

Hier die wichtigsten Vitamine: Vitamin A, Beta-Carotin, Vitamin E, D, C, B1, B2, B6, Folsäure, Niacin, Coenzym Q10

 

2. Vollblutdiagnostik

Im Gegensatz zur Serumdiagnostik werden bei der Analyse des Vollbluts auch die roten Blutkörperchen mit einbezogen. In der Vollblutanalyse werden die Konzentrationen innerhalb der Zellen gemessen und ist daher genauer.

Die Vollblutdiagnostik deckt einen Mikronährstoffmangel auf. Es können alle Vitamine und Mineralien sowie die Versorgung mit Omega -3- Fettsäuren gemessen werden.

Mit Hilfe moderner Labordiagnostik wird die individuelle Versorgungssituation überprüft. Konkrete Messergebnisse der Analyse liefern genaue Werte zur tatsächlichen Versorgungssituation des Patienten.

Zeigen die Laborergebnisse eine mangelhafte Versorgung, sollten die Ursachen hierfür gesucht werden. Es ist zu klären, ob Ernährungsfehler vorliegen oder der Befund Ausdruck anderer Störungen oder Erkrankungen wie Nahrungsmittelintoleranzen, Störungen der Darmflora oder Entzündungen ist.

Fehlende Mineralien, Vitamine werden entweder als Infusionen verabreicht oder es werden die fehlenden Stoffe als Tabletten eingenommen.

 

3. Präventive Labordiagnostik

a. Homocystein und kardiovaskuläres Risiko

Bei Homocystein handelt es sich um ein Zwischenprodukt des menschlichen Stoffwechsels, die im menschlichen Organismus keine Funktion übernimmt. Beim Gesunden ist Homocystein in geringer Menge vorhanden. Ob sich der Stoff schädigend auf Körperprozesse auswirkt, hängt unter anderem vom Homocysteinspiegel ab. Ab dem 40. Lebensjahr sollte der Homocysteinwert jährlich gemessen werden. Steigt der Homocysteinspiegel um nur 0,5 µmol/l im Blut, erhöht sich das Risiko für einen Herzinfarkt um das 2,5-fache, für Schlaganfall und arterielle Verschlußkrankheit um das 5-fache.

Erhöhte Homocystein-Spiegel sind mit verschiedenen Erkrankungen assoziiert bzw. bedingen oder verstärken diese. Dokumentiert ist vor allem ein Zusammenhang mit Atherosklerose, ischämischen Herz-Kreislauf-Prozessen, venösen Thrombosen, PVK/Schlaganfällen, neurodegenerativen Prozessen wie vaskulärer Demenz, M. Alzheimer, kognitiven Störungen, Polyneuropathie, verstärktem oxidati- ven/nitrosativen Stress und der Aktivierung von Transkriptionsfaktoren mit Stimulation von Genexpressionen. Erhöhte Homocystein-Spiegel können die Gefäß- morphologie schädigen und eine chronische Inflammation des Gefäßendothels bewirken. Sie führen durch Verlust der antithrombotischen Endothelfunktion und Absenken der Protein-C-Aktivität zu gesteigerter Blutgerinnung.

Die unmittelbaren atherogenen Wirkungen erhöhter Homocystein-Werte sind die Verdickung der Gefäßwand-Intima, eine gesteigerte Aktivität der Thrombozyten und Leukozyten, wobei diese inflammatorischen Prozesse induzieren. Insgesamt kommt es zu einer gesteigerten Oxidation von LDL-Cholesterin („oxidiertes LDL“) und damit zu verstärkter Schaumzellbildung und einer Einlagerung von Lipiden in die Gefäßwand bzw. der Proliferation glatter Muskulatur. Homocystein verstärkt also die Schadwirkung der reaktiven Sauerstoff-/Stickstoffverbindungen, also des oxidativen Stresses. So wird es auch plausibel, dass ein erhöhter Homocystein- Spiegel Tumore, Schwangerschaftskomplikationen, einen Diabetes mellitus, arthritische Prozesse bzw. auch eine Hypothyreose begünstigen kann.

Homocysteinspiegel weist auf B-Vitaminmangel hin

Die Menge des Homocysteins im Blut regeln im Wesentlichen drei Vitamine: Folsäure, Vitamin B12, Vitamin B6.

Nur bei einem ausreichenden Blutspiegel dieser drei Vitamine, kann das Homocystein abgebaut werden. Sind die Vitamine nicht in ausreichender Menge im Körper vorhanden (z. B. im höheren Alter, bei vermehrtem Stress, intensiven sportlichen Betätigungen, Mangelernährung, Aufnahmestörungen (Darmerkrankungen), Rauchern oder aufgrund der Einnahme bestimmter Medikamente), kann das Homocystein nicht ausreichend abgebaut werden und kann die Gefäße schädigen.

Erkrankungen, die mit erhöhtem Homocystein zusammenhängen können

• Herzinfarkt

• Schlaganfall/PVK

• Demenz

• Depression

• Glaukom / Makuladegeneration

• Osteoporose

b. Lipoproteinprofil

LDL-Subfraktionen und ihr atherogenes Risiko

Als fundierte Basisdiagnostik wird in der Regel die Bestimmung von Cholesterin, HDL, LDL und der Triglyceride herangezogen. Die Beurteilung von HDL-Cholesterin und LDL-Cholesterin ist die klassische Methode das Herz-Kreislauf-Risiko zu bewerten. HDL steht dabei für „high density lipoprotein“ und LDL für „low density lipoprotein“. Eine Senkung des LDL und Erhöhung des HDL kann das Risiko von Herzerkrankungen und Schlaganfall reduzieren.
Bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung können jedoch auch unauffällige Plasmalipidwerte vorliegen. Für die Entstehung einer Arteriosklerose ist nicht nur die Konzentrationen der LDL im Plasma von Bedeutung, sondern vor allem auch deren Größe und Dichte. So lassen sich im LipoMun-Profil labordiagnostisch bis zu sieben weitere Lipoproteinsubfraktionen LDL1-7 in absteigender Größe unterschieden. Eine Dominanz der kleinen, dichten LDL kann das Herzinfarktrisiko, unabhängig vom totalen LDL-Cholesterin, um ein Mehrfaches ansteigen lassen.
Bei 40-50% aller Patienten mit koronarer Herzerkrankung können vermehrt kleine, dichte LDL gefunden werden, ohne dass das LDL-Cholesterin auffällig erhöht ist. Häufig sind familiäre Hintergründe Ursache des erhöhten Risikos.
Insbesondere zur Therapiekontrolle ist die Bestimmung des LDL-Subklassenprofils von Nutzen, da es im Vergleich zum totalen LDL-Cholesterin ein besserer Prädiktor für das Ansprechen auf eine etwaige Therapie ist. Auch positive Veränderungen des Lebensstils, wie Diät oder körperliche Aktivität, werden früher erkennbar. Dies unterstützt die Lebensumstellung zusätzlich.

c. Erweiterte Prädiabetes Diagnostik

Körperbezogene Messgrößen wie Bauchumfang, Größe, Gewicht und der BMI (body-mass-index), sowie spezifische Laborwerte helfen bei der Erkennung des metabolischen Syndroms. Vielfältige Symptome wie erhöhter Blutdruck, hoher Blutzuckerspiegel, überschüssiges Bauchfett und abnorme Lipide können zusammen auftreten, und erhöhen so das Risiko von Diabetes und Herzerkrankungen. Das metabolische Syndrom wird durch das Vorliegen dieser Risikofaktoren definiert. Betroffene Patienten neigen zur verstärkten Einlagerung von visceralem Fett oder Fett an den Organen. Labordiagnostisch steht eine Reihe metabolischer Marker zur Verfügung wie z.B Adiponektin, Proinsulin/Insulin sowie Leptin.

Entzündungen als Auslöser von Insulinresistenz, Diabetes und erhöhtem kardiovaskulärem Risiko

Die Gefäßwände der Arterien sind durch ein Endothel geschützt. Kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Hypertonie, Hyperglykämie oder Oxidationsprozesse können dieses Endothel nachhaltig schädigen. Vaskuläre Entzündungen, Einlagerung von Cholesterin und die Bildung atherosklerotischer Plaques sind die Folge. Entzündungen in den koronaren Gefäßen werden als „silent Killer“ angesehen, da sie meist über längere Zeiträume symptomlos verlaufen und unentdeckt bleiben. Bei der plötzlichen Ruptur einer Plaque kann ein Thrombus entstehen der unter Umständen bis zum Gefäßverschluss führt. Das hohe kardiovaskuläre Risiko kann mit prädiktiven Laborparametern erfasst werden. Zur Erkennung oder Verlaufskontrolle stehen verschiedene Untersuchungen zur Verfügung wie z.B Ultrasensitives CRP, Oxidiertes LDL (oxLDL), PLAC-Test, Matrix-GLA-Protein, Myeloperoxidase (MPO), Calprotectin

4. Mikrobiomanalyse

Als intestinales Mikrobiom wird die Gesamtheit aller den Darm besiedelnden Mikroorganismen bezeichnet. Für den Gesundheitszustand des Menschen ist ein ausgewogenes Verhältnis der Darmbakterien von essentieller Bedeutung. Denn wie zahlreiche Studien belegen, wird ein Ungleichgewicht des Darmmikrobioms mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Hierzu gehören das Metabolische Syndrom, Diabetes, entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Reizdarmsyndrom, Darmkrebs, Calciumoxalat-Harnsteine, kardiovaskuläre Erkrankungen, rheumatoide Arthritis wie auch neurologische Störungen.

Diese sogenannte Next-Generation-Sequencing-Methode zur Erkennung von Dysbiosen, wurde bisher nur im Forschungsbereich eingesetzt. Sie umfasst die molekulargenetische Analyse des gesamten bakteriellen intestinalen Mikrobioms und revolutionierte die Diagnostik, da die konventionelle Stuhldiagnostik bisher nur einen eingeschränkten Bereich der vorhandenen Darmkeime identifzieren konnte. Weiterhin können die Auswirkungen der individuellen hochkomplexen Mikrobiota auf die Kolonisationsresistenz, Verdauungsprozesse, Absorption von Nährstoffen und Vitaminen wie auch auf die Immunität präziser beurteilt werden.

Die molekulargenetische Untersuchung umfasst die

Analyse der Artenvielfalt des intestinalen Mikrobioms (Diversität)
Aussage über die bakterielle Dysbiose
Erfassung des Enterotyps
Häufigkeitsverteilung der bedeutendsten Bakterienstämme
Ermittlung der Firmicutes/Bacteroides-Ratio
Beurteilung der mukosaprotektiven Flora
Analyse von Risikofaktoren für Dysbiose-assoziierte Erkrankungen usw.
Wichtige Funktionen des Mikrobioms

-Stimulation des Immunsystems: Stärkung des Mukosa-Immunsystems (MIS), Verdrängung von
Krankheitserregern durch Bildung von ß-Defensin und sIgA

-Vitamin-Versorgung: Synthese der Vitamine B1, B2, B6, B12 und K im Darm
-Unterstützung der Verdauung: Abbau schwer verdaulicher Kohlenhydrate oder Ballaststoffe
-Produktion von kurzkettigen Fettsäuren wie Essigsäure (Acetat) und Buttersäure (Butyrat), die das
Darmmilieu mitbestimmen

-Kurzkettige Fettsäuren dienen als Energiequelle für Darmschleimhautzellen
-Förderung der Darmperistaltik über kurzkettige Fettsäuren
-Bekämpfung von Entzündungen: besonders Butyrat wirkt entzündungshemmend und
schleimhautprotektiv

-Entgiftung von Fremdstoffen

Kontakt